Koran: progressiver Ansatz

Große Fragestunde: Was Sie schon immer über den Islam wissen wollten, sich aber nie zu fragen getraut haben (für Gäste lesbar.)
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Beate
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Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Beate »

Was verstehe ich darunter?

Meiner Meinung nach sollte der Koran wie jeder andere Text gelesen werden, nämlich als ein Text des 7. Jahrhunderts, der sich an die Menschen Mekkas, Medinas und der umliegenden Gebiete richtete.
So wie wir heute noch die Texte der klassischen Philosophen lesen und verstehen können, so sollte man den Koran lesen.
Wenn wir Sokrates lesen, ist auch nicht die Konsequenz, dass wir ab sofort Gewänder tragen, in Holzhütten wohnen, Nachttöpfe benutzen und Haftstrafen durch die Rettichstrafe ersetzen.
Die zeitlosen Aussagen über Wahrheit, Gerechtigkeit, Güte, Demokratie, Recht etc. sind es, die nach wie vor gültig sind und uns Inspiration sein können.
Wir leben in einem anderen Zeitalter und müssen uns davon lösen, den arabischen Lebensstil des 7. Jahrhunderts hier umzusetzen.
Alles sollte neu gestaltet werden, einschließlich der Formen der Anbetung.
Das wäre für mich eine Reform, die auch den Namen Reform verdient.
Sure 18
[103] Sprich: "Sollen Wir euch die nennen, die bezüglich ihrer Werke die größten Verlierer sind?
[104] "Das sind die, deren Eifer im irdischen Leben in die Irre ging, während sie meinen, sie täten gar etwas Gutes."
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Leila2003
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Leila2003 »

Dem stimme ich gerne zu. Ich sehe es auch so.
Glück ist die Abwesenheit von Leid. (Epikur)
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Mechthild
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Mechthild »

Ich mag grob wirken, aber wenn man bedenkt, dass von Hunderten Koranversen keine Handvoll dieses Thema streift, ist die Frage, ob es nichts Wichtigeres gibt, durchaus berechtigt.
Es gehört wohl auch zu einer progressiven Koranauslegung, sich von solchen Fixierungen freizumachen.
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Sumayyah
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Sumayyah »

sorry Mechthild, ich wollte damit sicherlich keine Diskussionen zerstampfen, das war wohl das erste, was vor meinem geistigen Auge erschien :P
Was meinst du denn, sich von solchen Fixierungen frei zu machen?
Ich finde gerade das spannende am Islam, das alles so ewig gültig und übertragbar erscheint. Mit ein wenig innerer flexibiltät doch schon wieder ganz modern, aber trotzdem jede Aussage des Koran bejahend. Aber deswegen vielleicht auch im allgemeinen Sprachgebrauch weniger progressiv.
Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber Gott alleine lenkt seinen Schritt.
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Mechthild
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Mechthild »

Genau das ist das Problem: dass sowohl Muslime als auch Nictmuslime beim Thema Koranauslegung sofort an KT & Co. denken, vielleicht noch an Schwein- und Alkverbot. Das nenne ich Fixierung.
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Sumayyah
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Sumayyah »

Das ist bestimmt, weil man auf diese Themen so häufig angesprochen wird. Das ist so, als wenn dich täglich jemand an Hausarbeit erinnert. Irgendwann ist es das erste was dir einfällt, wenn du an deine Freizeit denkst :P

Vielleicht liegt es daran, weil dies die Punkte, die den Islam insbesondere "besonders" machen und eigentlich vom Christentum unterscheiden?
Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber Gott alleine lenkt seinen Schritt.
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Mechthild
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Mechthild »

Das wären aber erbärmliche Unterscheidungskriterien, nichts für ungut.

Wäre es Angesicht der Weltlage nicht eher angebracht, die Botschaft vom barmherzigen Gott mal in den Vordergrund zu stellen?
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Beate
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Beate »

Sumayyah hat geschrieben:hat diese Regel für mich vielleicht heute auch noch eine Bedeutung?
Da liegt der Hase im Pfeffer. Für mich ist der Koran nämlich gar kein Regelwerk. Die Regeln, die im Koran vorkommen, dienen nur der Veranschaulichung viel tiefliegender Prinzipien.
Wer ins Paradies kommen möchte, muss sich frei machen von Gier, Neid, Hochmut, Wut etc. und nicht bestimmte Regeln einhalten. Es mag sein, dass in Situation X das Verhalten Y angemessen ist und in der nächsten Situation genau das gegenteilige Verhalten.
Es ist der Mensch, der in jedem Moment gefordert ist, selbstlos und empathisch zu handeln. Die daraus resultierenden Handlungen können je nach Situation völlig anders sein. Und genau das ist die Aufgabe, die uns Gott gestellt hat: in jeder Situation neu zu entscheiden, wie man sich verhalten muss, um Selbstlosigkeit und Empathie umzusetzen.
Deswegen sind auch Fatwas meiner Ansicht nach so falsch, weil jemand, der in die Situation nicht involviert ist, eine Situation allein aufgrund äußerlicher vermeintlicher Parallelen beurteilt und Handlungsanweisungen gibt.
Sure 18
[103] Sprich: "Sollen Wir euch die nennen, die bezüglich ihrer Werke die größten Verlierer sind?
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Beate »

Sumayyah hat geschrieben: Vielleicht liegt es daran, weil dies die Punkte, die den Islam insbesondere "besonders" machen und eigentlich vom Christentum unterscheiden?
Damit sagst du indirekt aus, dass Äußerlichkeiten wichtiger sind als der Seelenzustand, denn das, was die Muslime so "besonders" macht und sie von den Christen unterscheidet, ist ja genau der Punkt, dass Muslime "praktizieren". Beim Praktizieren steht das Ausführen eines standardisierten Verhaltens im Mittelpunkt und nicht die Befreiung der Seele.
Sure 18
[103] Sprich: "Sollen Wir euch die nennen, die bezüglich ihrer Werke die größten Verlierer sind?
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Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von Arife »

Beate :top:
malaika

Re: Koran: progressiver Ansatz

Beitrag von malaika »

Beate hat geschrieben:den guten alten Murad Hoffmann in allen Ehren, aber an dem Buch ist nichts progressiv. Es ist ein Plädoyer für die konservative Auslegung.
Allerdings. Es war eines der ersten Bücher über den Islam, die ich gelesen habe, und ich war alles andere als begeistert.
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