Arife hat geschrieben:Ist es so, dass Glaube Mut erfordert? Kann man nicht einfach still und heimlich für sich glauben, niemandem nennen was genau es nun eigentlich ist (an das man glaubt)? Oder muss man der Welt mitteilen was in seinem Kopf und Herzen vorsich geht, ist es sonst nur Schmu wenn ich nicht dazu stehe?
Eine ähnliche Diskussion hatten wir ja kürzlich erst, ich glaube in Anisahs Vorstellungs-Strang. Da habe ich ja zum Beispiel auch geschrieben, dass ich mich von meinen Glaubensgrundsätzen her durchaus als Muslima bezeichnen könnte, das aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht will.
Ich könnte mich wahrscheinlich ebenso als Hindu oder Wicca oder Buddhistin bezeichnen, das ist vielleicht Teil meines "Problems", ich erkenne in vielen Religionen die Wahrheit. Welche man dann letzendlich für sich beansprucht, ist meiner Meinung nach nur eine Frage persönlicher Neigung.
Aber ob DU still und heimlich für dich glauben oder der Welt deine Überzegungen mitteilen willst -- das kannst nur du für dich selber entscheiden.
Ich finde schon, dass man sozusagen im stillen Kämmerlein glauben kann ohne es zu benennen. (Ich würde dazu sagen: ohne sich selber ein Etikett anzuheften.)
Ich finde auch nicht, dass es für einen schwachen Glauben steht oder, wie du es ausdrückst "nur Schmu" ist, wenn man sich nicht öffentlich zu seinen Überzeugungen äußert oder sich als zu einem bestimmten Glauben zugehörig definiert.
Aber -- das ist auch nicht immer einfach, denn wir Menschen neigen nun einmal dazu, uns selber und andere zu kategorisieren, in Schubladen zu stecken, und das ist ja auch nicht nur negativ. Manchmal kann es durchaus hilfreich sein, wenn man andere aufgrund ihres "Etiketts" einordnen kann. Wenn du allerdings findest, dass das Etikett "Muslim" bei dir persönlich vielleicht eher zu Missverständnissen führen würde, eben weil deine Überzeugungen weder mit dem Stereotyp, dass viele Nichtmuslime haben, noch mit den Erwartungen der Durchschnittsmuslime übereinstimmen ... dann wird dir wohl oder übel nichts anderes übrig bleiben als mehr oder weniger im stillen Kämmerlein deinen Glauben zu praktizieren.
Das ist natürlich nur meine ganz persönliche Meinung.
Und was die hier erwähnten Symbole angeht ... Ich habe einen Anhänger mit einer islamischen Kalligrafie, den ich sehr gerne trage (
siehe hier), ich habe aber auch eine sehr archaisch wirkende Kette mit einem abstrahierten koptischen Kreuz. Und ein schönes Omm werde ich mir bestimmt auch irgendwann mal kaufen und würde es auch tragen, ebenso wie eine Triskele. Diese Dinge haben für mich persönlich eine Bedeutung; und wenn ich in dem Augenblick, wo ich sie trage, von irgendjemandem in irgendeine Schublade gesteckt werde, ist mir das eigentlich egal.