Beate hat geschrieben:
Ich persönlich denke, dass kein Prophet gekommen ist, um eine neue Religion einzuführen. Propheten sind gekommen, um die Menschen auf den rechten Weg zu bringen, um ihnen aufzuzeigen, was gut und was schlecht ist. Daraus entstanden dann Religionen.
Deswegen sind für mich die im Koran erwähnten Ungläubigen (kafirun) oder besser gesagt Leugner, nicht einfach die Angehörigen einer anderen Religion, sondern die Leute, die die Lehren des Propheten bewusst zurückgewiesen haben, Spott damit getrieben haben, sich lustig darüber gemacht haben. Menschen also, die nichts wissen wollten von Gerechtigkeit und Güte und Verantwortung.
Hallo Beate
ja, vielleicht sollten wir enen neuen Strang aufmachen. *lach*
Nein, das denke ich nicht. Der Koran sagt klar, dass von den Gläubigen keine andere Religion als der Islam angenommen wird von Gott. Und er unterscheidet stets zwischen den jeweiligen Glaubensrichtungen. Überaus inkonsequent überdies. Teils ist es ok, Jude oder Christ zu sein, dann sind die Ungläubigen wieder schlimmer als Vieh. Natürlich sind Ungläubige auch Anhänger anderer Religionen. Müssen sie teilweise auch sein, denn was für einen Sinn macht es als Christ, an Mohammed zu glauben? Es wird argumentiert, Juden und Christen hätten die ursprüngliche Lehre verfälscht, aber wieso schützt Gott seit 1400 Jahren den Koran, hat aber bei Thora und Evangelium gepennt?
Außerdem vertreten Propheten höchst unterschiedliche Lehren manchmal, ich kann nicht zeitgleich an Buddha und an Mohammed oder an Jesus glauben.
Und ich denke schon, dass Mohammed eine neue Religion eingeführt hat. Bei Jesus bin ich mir unsicher, da er doch weitgehend auf dem Fundament der Thora stand.
Beate hat geschrieben:
Aber natürlich hat der Prophet ihre eigenen religiösen Vorstellungen in Frage gestellt bzw. als falsch bezeichnet.
Erst nachdem die Anfeindungen immer stärker wurden, und es zu Vertreibungen, Übergriffen und Tötungsversuchen kam, kam die Aufforderung zum Auswandern. Und erst danach kam die Erlaubnis zu kämpfen. Und ich persönlich lese aus dem Koran heraus, dass es eine moralische Pflicht ist, jemandem, der in Not geraten ist und sich nicht selbst helfen kann, zu helfen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ein großer Ast auf ihn gefallen ist, oder ob ein Hund sich in seiner Wade festgebissen hat oder ob ein Mensch ihn im Schwitzkasten festhält und ihm die Kehle zudrückt. Man muss in diesem Fall etwas tun, um diese Situation zu beenden. Und wenn es nur über Gegengewalt geht, dann notfalls auch über Gegengewalt.
Ich persönlich lese aus dem Koran nicht heraus, dass Menschen bekämpft werden sollen, weil sie einer anderen Religion angehören.
Ich sehe das Ganze wieder in seinem historischen Kontext.
Salam
Ja, der liebe historische Kontext. Sorry, aber ich halte diesen teilweise (!) für ein muslimisches Totschlagargument. Fakt ist, dass Mohammed Gewalt angewandt hat und dass Gewalt als Mittel zum Zweck (ob zur Verteidigung oder nicht) erlaubt ist. Ich sehe es so: Mohammed hat bewusst nach weltlicher Macht gegriffen. Und das ist mir unsympathisch. Mir imponiert eben mehr, dass Jesus seine Botschaft gewaltfrei unter die Menschen gebracht hat. Er sagte bewusst, mein Reich ist nciht von dieser Welt und auch in Lebensgefahr hat er keine Gegenwehr geleistet, hat seine Jünger von der Anwendung von Gewalt abgehalten.
Das imponiert mir mehr, denn das ist, was sich nur wenige zu tun getrauen.
Jesus hatte provokativ gesellschaftliche Missstände angeprangert und auch sonst unliebige Thesen (Gottes Sohn) aufgestellt. Er hat sich verdammt unbeliebt gemacht. Aber er hat in realiter nie einem Menschen geschadet, er hat keinen umgebracht noch hat er zum Mord aufgerufen, und dennoch hat man ihn beseitigt. Menschen haben sich damit an ihm schuldig gemacht, so wie heute noch Menschen, die sich wie Jesus verhalten, in modernen Gesellschaften recht schnell unbeliebt machen (und auch heute deswegen beseitigt werden).
Also wenn ich mir die Lebenswege der beiden "Propheten" so anschaue, welch krasse Unterschiede!!!!! Der eine will Menschen helfen, die Gesellschaft verändern, er gibt sich mit Outcasts ab, krümmt aber niemandem ein Haar. Er will die Gesellschaft verändern, lehnt aber weltliche Macht dennoch bewusst und entschieden ab. Er lässt sich lieber umbringen, als selbst zur Waffe oder zur Macht zu greifen. Mohammed hat ohne Zögern nach der weltlichen Macht und ihren Versuchungen gegriffen: Reichtum, Frauen, Intrigen, politische Ämter, Landraub. Um zu Macht zu kommen, agierte er jahrelang als Straßenräuber (überfiel Karavanen). Muslime behaupten zwar, Mohammed habe nur Verteidigungskriege geführt, aber das bezweifle ich stark.
Was soll ich als Gläubige nun tun? Ich kann nicht beiden Propheten folgen.
Liebe grüße
Fatma