Naja ... erstmal sind diese Fotos im Walmart geschossen. Walmart ist in den USA ungefähr so wie Kaufhalle oder Woolworth in Deutschland.
Dann die Orte ... Ohio, Missouri, Florida. Da leben nun mal ziemlich viele Übergewichtige. Leider nämlich auch viele Menschen, die den unteren Bildungs- und Einkommensschichten angehören. Und in dieser Gruppe kommen in jeder Gesellschaft, auch in Deutschland, die meisten Fälle von Übergewicht vor.
Diese Menschen wissen einfach nicht, wie man sich *normal* ernährt, sie haben es nicht gelernt. Und oft wissen sie gar nicht, wie man so kocht, wie es für uns meistens normal ist -- mit Nudeln, Reis, frischem Fleisch, frischem Gemüse, Obst, Salaten, Hülsenfrüchten. In ganz vielen Fällen wird auf Convenience-Produkte, also "Halb-Fertiggerichte", zugegriffen.
Das macht auf Dauer dick. Aber es macht auch krank und ist teuer.
Ich habe mal in einer anderen Diskussion (weiß jetzt nicht mehr welche; es ging um Lebensmittel-Werbung / Irreführung) einen interessanten Artikel zu dem Thema gepostet, in dem u.a. gesagt wurde, dass gerade diejenigen, die es sich eigentlich nicht leisten können, also Arbeitslose, Menschen mit niedrigen Einkommen etc. oft verhältnismäßig viel Geld für Nahrung ausgeben, eben weil sie nicht mehr wissen, wie man aus frischen, nicht irgendwie vorbereiteten Sachen kocht.
Oder ... schau dir mal irgendwelche trashigen Real Life Soaps auf RTL II an, Frauentausch zum Beispiel. Ich persönlich schaue mir das gelegentlich mit einer Mischung aus Schock und Faszination an. Da werden ja in der Regel Menschen mit sehr niedrigem Bildungsniveau vorgeführt. Und oft geht es bei den Konflikten ums Thema Essen. Ich finde das hochinteressant, weil ich zwar weiß, dass es unzählige solcher Menschen gibt, ich aber im wahren Leben keinen Kontakt mit ihnen habe.
Ein Beispiel. Ich habe diese Woche nach Ewigkeiten mal wieder eine Folge von Frauentausch geguckt.
Eine der Familien war recht jung. Sie Mitte 20 und Hausfrau. Er Ende 20 oder Anfang 30 (ich erinnere mich nicht genau), arbeitslos. Vier Kinder.
Es gab nichts Frisches in diesem Haushalt. Gemüse kam immer aus der Dose, Salat oder Obst wurde gar nicht erst gekauft. Sie kamen gar nicht auf die Idee, dass das in irgendeiner Form notwendig sein könnte.
Ich erinnere mich an eine Szene, in der die Tauschmutter den Vater auf dieses Thema ansprach und meinte, es sei doch nicht gesund, den Kindern nur Dosenfutter vorzusetzen.
Seine Antwort: "Wenn das ungesund wäre, würden sie's ja nicht verkaufen."
Als sie einen Brokkoli-Käse-Auflauf und einen schön bunt aussehenden Salat servierte, weigerte sich der Vater, das "Kaninchenfutter" zu essen. Den Kindern schmeckte der Auflauf allerdings.
Als der Vater kochte, gab es Frikadellen aus der Mikrowelle, Kartoffelpüree aus der Tüte und Instant-Bratensauce.

Das ist jetzt natürlich ein Extrembeispiel. Die meisten Menschen haben zumindestens irgendwann in ihrem Leben mal mitbekommen, dass gewisse Ernährunsgewohnheiten nicht so besonders gesund sind. Es ist ihnen aber vielleicht egal. Oder sie verdrängen es, stellen vielleicht sogar fest, dass sie spürbare gesundheitliche Beeinträchtigungen haben, aber nehmen das einfach so hin. Oder möchten es ändern, können aber nicht, oder wissen einfach nicht wie ...
OK, worauf ich eigentlich hinaus will, ist ... Es handelt sich hier um ein Unterschichtsphänomen, und das ist nicht lustig, sondern eigentlich sehr traurig. Und in Deutschland ist es nicht viel anders. Auch hier tritt Übergewicht überproportional häufig in bestimmten Bevölkerungsschichten auf. Da diese aber prozentual gesehen nicht einen so großen Anteil ausmachen wie in den USA, und hier sowieso weniger Menschen leben, ist dieses Problem nicht so sichtbar. Noch nicht! Denn auch in Deutschland tut sich ja ein ständig wachsender Graben zwischen reich und arm, gebildet und ungebildet auf. Und ernährungs- bzw. übergewichtsbedingte Krankheiten sind auf dem Vormarsch.
Meiner Meinung nach sollten wir also nicht über die Amerikaner lachen oder lästern, sondern uns Gedanken darüber machen, was man tun könnte, damit es hier nicht auch so weit kommt.
Und was folgende Aussage angeht:
Das die meisten Amis regelrecht fett sind ist nichts neues.
Das stimmt so nicht. Abgesehen von dem Klassenproblem, über das ich oben geschrieben habe, spielt die Geographie auch eine Rolle. In den Großstädten und an den Küsten sieht man nicht übermäßig viele übergewichtige Leute. Im Landesinneren oder in bestimmten Bundesstaaten sieht das dann wieder ganz anders aus.
Ich habe in den USA an diversen Orten gelebt. In Denver, San Francicso und in New York. Ich bin mit dem Greyhoundbus durchs halbe Land gefahren. Und ich habe einen Monat in Cleveland, Ohio, verbracht. Und es gibt viele Orte, an denen ich leider noch nicht war. Aber meiner persönlichen, beschränkten Erfahrung nach gibt es in den USA sehr, sehr starke Unterschiede je nachdem, wo man sich befindet. In Cleveland, und dort besonders in dem Vorstadtbezirk, in dem ich meine Zeit verbrachte, gab es tatsächlich viele sehr dicke Menschen. Und es war auch ein ganz besonder Menschenschlag, der dort lebte. Vollkommen anders als die Menschen, denen ich in den großen Städten an der West- und Ostküste begegnet bin. Und in den Städten, die ich kenne, habe ich eigentlich gar nicht viele besonders dicke Menschen gesehen, eher im Gegenteil.
Als ich vor Jahren mal in New York gelebt habe, habe ich mich gelegentlich ein wenig *dick* und unfit angesichts der ganzen ultra-schlanken, super-trainierten Menschen gefühlt. Ich war damals gut zehn Kilo über meinem Standardgewicht, sprich -- ich habe etwas über 60 kg bei einer Größe von 173 gewogen. Das heißt, ich war absolut normalgewichtig, dazu noch durch viele Jahre Langstreckenlauf und anderen Sport ziemlich gut durchtrainiert. Aber mit vielen typischen New Yorkern konnte ich nicht mithalten.
