Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Bereicherung oder Krisenherd? (für Gäste lesbar)
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jalees
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Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von jalees »

Der interreligiöser Dialog ist eine echte Herausforderung, aber nicht nur weil sich Religionen schwer tun miteinander einen Dialog zu fuehren, sondern weil Menschen allgemein oft Probleme mit dem Dialog haben. Sogar der "Dialog" unter Kollegen, Freunden, Lebenspartnern und Verwandten besteht oft nur aus sich abwechselnden Monologen. Aufeinander zugehen faellt uns sehr schwer, da wir uns fuer einen wahren Dialog wirklich oeffnen muessen.

Ich habe das Thema schon ein paar mal im Zusammenhang mit Martin Bubers Buch "Ich und Du" angesprochen, und vor einigen Monaten habe ich einen Artikel ueber den interreligiösen Dialog waehrend eines Ramadan-Essens geschrieben, der jetzt gerade (puenktlich zum Ramadan) erscheinen ist:

Interfaith Moments

http://www.hds.harvard.edu/news-events/ ... th-moments

Auszug:
LAST YEAR, OUR LOCAL MASJID (mosque) organized an interfaith dinner and invited clergy and lay members of various faith communities during the month of Ramadan. As in preceding years, the goal was for Muslims and non-Muslims to meet each other and foster an interfaith dialogue within the neighborhood. The event began with an introductory lecture about Islam, followed by presentations relating to fasting and spirituality given by a Muslim and a Christian speaker. During the dinner, I was seated next to some members of a Protestant congregation. We had a very pleasant conversation, covering a wide range of topics, from the concept of fasting to the importance of regularly going to church. However, I realized that many of my sentences began with "As Muslims, we . . ." or "In Islam, it is important . . . ," and my conversation partners used similar phrases, such as "In our Christian faith, we. . . ." We were not speaking as individuals who were sharing our own personal approaches to our faith, but instead, we were trying to act as representatives for our respective faiths.....
Mich wuerde es interessieren, wie wir es am besten schaffen koennen, Monologe zu vermeiden und einen wahren Dialog zu fuehren. Vielleicht koennen wir hier Ideen und persoenliche Erfahrungen zu diesem Thema austauschen.
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BentOmar

Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von BentOmar »

Ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass interreligiöse Dialoge daran scheitern, dass jeder auf seinem Wahrheitsanspruch sitzen bleibt und sich zwar die Ansichten der anderen Seite anhört, durch die bereits bestehenden Vorurteile aber sie nicht in sich aufnimmt. Und vor allem muss immer von Anfang an die eigenen Position klar gemacht werden, so als wollte man schon mal eine Verteidigungsarmee gegen den kommenden "Angriff" bereitstellen.
Ich war mal bei einem Treffen zwischen Muslimen (Sunnis natürlich) und Adventisten. Da musste am Anfang natürlich sofort eine Sure vorgelesen werden, die beschreibt, wie die Ungläubigen in das Feuer geworfen werden. Das fand ich total unglücklich - wenn ich einer der Adventisten gewesen wäre, hätte ich da schon keinen Bock mehr gehabt. Man kann sich natürlich darüber streiten, wer in diesem Fall "Ungläubige" sind, aber das haben wir bei diesem Treffen ja nicht getan. Die Muslime bei diesem Treffen haben dauernd versucht, die Gäste davon zu überzeugen, dass der Islam ja viel logischer wäre, und wie man überhaupt an ihre Lehren glauben könne.
Du hast recht, jalees, das ist kein Dialog, das sind Überredungsversuche. Und diese Einstellung muss man überhaupt erst mal ablegen, um einen Dialog führen zu können.
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jalees
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von jalees »

BentOmar hat geschrieben:Du hast recht, jalees, das ist kein Dialog, das sind Überredungsversuche. Und diese Einstellung muss man überhaupt erst mal ablegen, um einen Dialog führen zu können.
@Bentomar
Du hast natuerlich recht, bei "Überredungstreffen" kann es keinen Dialog geben und daher gehe ich erst gar nicht zu solchen "Überredungstreffen". Ich habe aber gemerkt, dass selbst wenn es keine "Überredungstreffen" treffen sind, sich die meisten Menschen trotzdem vor dem Dialog verschliessen.

Die meisten denken selbst bei so toleranten Treffs, in seinem eigenen Glauben die absolute Wahrheit gefunden zu haben. Man agiert dann eher wie ein Schauspieler (Metapher des Artikels), der sich nach aussen hin sehr tolerant und offen gibt, aber trotzdem such man eigentlich keine spirituelle Bereicherung durch Menschen anderer Glaubensrichtungen oder Atheisten.
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Musafira
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Musafira »

Ich habe am Dialog schon oft erlebt, dass das wirklich oft kein Dialog war, sondern es eigentlich nur um den Islam ging. Viele Muslime hatten auch gar kein Interesse, etwas ueber den Dialogpartner (i.d.R. Christen) zu lernen, sondern sahen den sog. Dialog als PR-Veranstaltung fuer den Islam. Und dann wurden sie wiederum davon genervt, dass sie immer in die "Verteidigungshaltung" getrennt wurden.

Dialog funktioniert besser, wenn die Themen immer einen bestimmten Aspekt von beiden Seiten beleuchten, wie z.B. "Religioese Riten im Christentum und Islam" oder so. Es hilft auch, zuerst zusammen Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und kann dann auch besser ueber Unterschhiede reden. Wichtig ist auch von Anfang an die Dialogbasis zu klaeren, wie eben, dass es darum geht, einander zuzuhoeren (sollte eigentlich selbstverstaendlich sein, ist aber nicht immer der Fall), dass es kein Wetterbewerb ist ("wer hat die bessere Religion?") und dass man auch Unterschiede einfach akzeptieren muss ohne ewig darueber zu debattieren.
Manche Leute meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, dabei war es nur eine Buchstabensuppe.
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Asandra
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Asandra »

Ich erlebe es so, daß auf der einen Seite die Nicht-Muslime stehen, mit der absoluten Meinung, daß der Islam eine "gefährliche" Religion sei. Auf der anderen Seite stehen die Muslime, mit der absoluten Meinung, daß einzig der Islam die richtige Religion sei. Verstehe ich den Koran falsch, den ich so verstehe, daß die unterschiedlichen Religionen gewollt sind, daß sie miteinander wetteifern sollen, "wer der Beste sei" (und damit ist wohl nicht "streiten" gemeint) und daß letztlich Allah entscheiden wird?

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jalees
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von jalees »

Asandra hat geschrieben:Ich erlebe es so, daß auf der einen Seite die Nicht-Muslime stehen, mit der absoluten Meinung, daß der Islam eine "gefährliche" Religion sei.
Solche Menschen interessieren sich meistens sowieso nicht fuer Dialog-Veranstaltungen. Mir ging es vor allem um Menschen, die sich zwar fuer Toleranz einsetzen und auch an Dialog-Veranstaltungen teilnehmen, aber wo der Dialog gar nicht wirklich stattfindet. In den USA gibt es massenhaft inter-religiöse Dialog-Veranstaltungen (so wie den Ramadan-Abend im Artikel), aber da sich jeder darum bemueht, den anderen nicht zu beleidigen, kommt es gar nicht zu einem echten Dialog.
Asandra hat geschrieben:Verstehe ich den Koran falsch, den ich so verstehe, daß die unterschiedlichen Religionen gewollt sind, daß sie miteinander wetteifern sollen, "wer der Beste sei" (und damit ist wohl nicht "streiten" gemeint) und daß letztlich Allah entscheiden wird?
Es gibt durchaus viele Menschen, die glauben, dass Religion ein Wettbewerb ist (zwischen Muslimen untereinander aber auch zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen), aber ich konnte mich nie mit dieser Idee anfreunden.
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Asandra
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Asandra »

Den Gedanken des "Wettbewerbs" finde ich eher positiv, iSv "sich anstrengen", "das Beste geben" - als gleichberechtigtes Miteinander, wie bei einem Marathon: Da streiten sich die Läufer ja auch nicht darüber, wer auf der richtigen Strecke ist, sondern jeder läuft, so gut er kann.
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Vitoria

Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Vitoria »

Asandra hat geschrieben:Ich erlebe es so, daß auf der einen Seite die Nicht-Muslime stehen, mit der absoluten Meinung, daß der Islam eine "gefährliche" Religion sei.
Eine interessante Wahrnehmung. Es hängt vielleicht von der eigenen Position ab, wie man eine solche Veranstaltung erlebt. Mir geht es meistens ganz anders: Das Publikum, meist reichlich fortgeschrittenen Alters und frei von auch nur rudimentärem Wissen über die Grundlagen des Islams, sieht den Islam absolut positiv. (Stichwort: "Islam = Frieden") Kritische Anmerkungen oder Fragen - z.B. an einen muslimischen Vortragenden - hinsichtlich einiger Koranpassagen sowie Hadithe, die aufgrund ihres keineswegs friedlichen Inhalts einer näheren Erläuterung bedürfen, präzise und neutral gestellt, werden von selbigem Publikum missbilligt. Was für den Befragten seiner Meinung nach die schöne Folge hat, die Frage nicht mehr beantworten zu müssen.
jalees hat geschrieben: Solche Menschen interessieren sich meistens sowieso nicht fuer Dialog-Veranstaltungen.
Im Prinzip durchaus. Mein Mann und ich besuchen beispielsweise sehr häufig entsprechende Veranstaltungen der Evangelischen Akademie (wo allerdings zumindest ein Teil des Publikums etwas kundiger ist) und bringen fast immer neue Erkenntnisse mit nach Hause. Z.B. habe ich auf diese Weise von der "Ankaraner Schule" erfahren. Es ist nur so, dass man nach einigen der oben geschilderten Veranstaltungen begriffen hat, dass an einer echten Aufklärung und Diskussion im Grunde keiner interessiert ist. Und dann interessiert man sich in der Tat nicht mehr für solch fruchtlose Veranstaltungen.
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Musafira
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Musafira »

Asandra hat geschrieben:Ich erlebe es so, daß auf der einen Seite die Nicht-Muslime stehen, mit der absoluten Meinung, daß der Islam eine "gefährliche" Religion sei. Auf der anderen Seite stehen die Muslime, mit der absoluten Meinung, daß einzig der Islam die richtige Religion sei. Verstehe ich den Koran falsch, den ich so verstehe, daß die unterschiedlichen Religionen gewollt sind, daß sie miteinander wetteifern sollen, "wer der Beste sei" (und damit ist wohl nicht "streiten" gemeint) und daß letztlich Allah entscheiden wird?
Diese Sorte von Nicht-Muslimen sind dann aber nicht die, die einen regelmaessigen Dialog-Kreis besuchen, sondern die besuchen mal einen einzelnen Vortrag. Oder wenn sie einen Dialogkreis besuchen, lassen sie es nach 1-2 Sitzungen. Diejenigen in regelmaessigen Dialogkreisen sind eigentlich sehr aufgeschlossene Leute, bis hin zu Gutmenschen. Von Muslimen wird dann aber oft keine nur im Ansatz kritische Frage/Anmerkung geduldet, so dass irgendwann Frust aufkommt.

Meine Eltern sind z.B. auch von der Sorte, mit denen jeglicher Dialog sinnlos ist. Die kommen auch nach 20 Jahren immer noch mit den gleichen Argumenten. :roll: Aber ihnen laege es auch fern, so einen Dialogkreis zu besuchen, da geht es ja viel zu "soft" zu.
Manche Leute meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, dabei war es nur eine Buchstabensuppe.
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Ji'un Ken
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Ji'un Ken »

Moin Moin Jalees,
ich glaube nicht nur der interreligiöse Dialog sondern jeder echte Dialog ist eine Herausforderung. Die Schwierigkeit beim interreligiösen Dialog liegt meiner Meinung nach nicht bei den Religionen. Religionen führen keinen Dialog. Sie sind Konzepte, die von Menschen ausgestaltet werden. Es sind Menschen mit all ihren Stärken, Schwächen und Fehlern, die mit einander sprechen und oft gar nicht wissen, was Dialog ist.

Hier ein paar Tipps:
Was bedeutet es, sich in einen Dialog zu begeben?

Quelle: http://www.4-d.at/

… einander mit Respekt begegnen
… ohne Widerstand zuhören
… alle gleichberechtigt behandeln
… Unterschiede zulassen und respektieren
… jeder/m ermöglichen, das auszusprechen, was sie/ihn betrifft
… aus eigener Erfahrung sprechen
… Verständnis für andere Sichtweisen gewinnen
… eigene Annahmen überprüfen
… über den eigenen Horizont hinaus schauen
… vom Drang loslassen, konkrete Ergebnisse zu erreichen
… von Herzen sprechen
Zur Zeit bin ich dabei mit einigen Bekannten ein Forum aufzubauen, in dem Dialog geübt werden kann. Außerdem treffen wir uns regelmäßig zu Video-Konferenzen um den Dialog zu üben.
Heute haben wir z.B. das Thema:

"Darum ist es von so großer Bedeutung,
Geist und Bewusstsein zu klären."

Und dann geht es los, eine Stunde Zeit.

Google+ bietet übrigens die kostenlose Möglichkeit mit bis zu 10 Personen eine Video-Konferenz zu gestalten.

Und was für den Dialog gilt, gilt auch für das Bilden von Foren.

Hier ein kleines Beispiel:
Der Dialog ist eine Chance, Neues zu entdecken, keine Garantie, Altes zu bewahren.
Dialog als Kunst, gemeinsam zu denken

http://www.connection.de/artikel/interv ... -peck.html

So durchläuft jede Gruppe, um eine Gemeinschaft im eigentlichen Sinne zu bilden, vier Phasen: »Pseudogemeinschaft« in der die Nettigkeit vorherrscht, »Chaos« wo die emotionalen Leichen aus dem Schrank kriechen, »Leere«, eine Zeit der Stille und des Übergangs, und zuletzt, »wirkliche Gemeinschaft«, gekennzeichnet durch zwei Elemente: tiefe Ehrlichkeit und tiefe Anteilnahme. Dem vorausgehend ist es zwingend erforderlich, einen Raum (Container) oder Setting zu schaffen, das die Rahmenbedingungen herstellt.

1. Phase: die Pseudogemeinschaft (Scott) und die Konfirmitätsphase im Dialog

Das Stadium der gegenseitigen Nettigkeiten. Die Gruppe und die Teilnehmer am Dialog befinden sich an der Oberfläche. Die jeweiligen “Masken” werden zur Schau gestellt. In dieser Phase ist das Zuhören als das auf sich wirken Lassen des Gehörten aus einem inneren Schweigen heraus nötig, um in die nächste Phase zu gelangen.

2. Phase: Das Chaos (Scott) und die Konfliktphase im Dialog

Sowohl in der Gruppe als auch im Dialog kommen die emotionalen Leichen aus dem Keller. Zudem sollen individuelle Differenzen ausgeschaltet werden. Das geschieht oftmals dadurch, das Gruppenmitglieder versuchen, die anderen zu bekehren, zu heilen oder zu diffamieren. Es ist eine Phase, in dem es um Gewinner und Verlierer geht, ums Rechthabenwollen und Rechthabenmüssen. Es ist die Phase der Diskussionen. Um über diese Phase hinauszuwachsen soll der Respekt in den Vordergrund treten werden als das Verzichten auf jede Form von Abwehr, Schuldzuweisung, Abwertung oder Kritik.

3. Phase: die Stille (Scott) und Selbstreflektion im Dialog

Wenn diese emotionalen Leichen aus dem Keller und ins Licht des Bewusstseins geholt wurden, wenn sie aufgelöst wurden, tritt Stille ein. Es entsteht der Raum, in dem sich erste wahre Impulse entstehen. Es ist die Zeit des Übergangs. Der Übergang von der Vorstellung der Gemeinschaft hin zur wirklichen Gemeinschaft. Um über diese Phase hinauszuwachsen, ist das Erkennen und Beobachten eigener Gedanken, Emotionen und Meinungen, ohne in eine Fixie zu verfallen (suspendieren) nötig.

4. Phase: die wirkliche Gemeinschaft (Scott) und Artikulation der eigenen Wahrheit im Dialog

Diese Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch zwei Elemente: Tiefe Ehrlichkeit und tiefe Anteilnahme. Es entsteht eine Kommunikation von Herz zu Herz. Oder: der Wandel von Kommunikation zu Kommunion. Jedes Gemeinschaftsmitglied praktiziert das Artikulieren als das Finden der eigenen, authentischen Sprache und des Aussprechens der eigenen Wahrheit.
Mich wuerde es interessieren, wie wir es am besten schaffen koennen, Monologe zu vermeiden und einen wahren Dialog zu fuehren.
Üben, Jalees, üben und immer wieder üben. Und sich informieren, was Dialog alles beinhaltet. Der Dialog ist eine Pflanze, die gehegt und gepflegt werden will.

Liebe Grüße
Ji'un Ken
Ein Lehrer ist ein Schüler der nicht aufgegeben hat.
Fatima

Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Fatima »

Musafira hat geschrieben:Diejenigen in regelmaessigen Dialogkreisen sind eigentlich sehr aufgeschlossene Leute, bis hin zu Gutmenschen.
was sind denn "Gutmenschen"? Ich finde es im Dialog immer gut, wenn man gemeinsame Ziele herausarbeitet, die auch nicht unbedingt in der Religion wurzeln müssen. Dass Herabsetzung, chronisches Beleidigtsein und der Wille, den anderen unbedingt überzeugen zu wollen, tabu sein sollten, versteht sich von selbst.
Auf der anderen Seite erlebe ich es aber auch immer wieder, dass Muslime sich ständig rechtfertigen müssen für irgendetwas, was in anderen Erdteilen vor sich geht. So meinen ja durchaus auch Politiker, dass man die Erlaubnis, hier Moscheen zu bauen, durchaus an die Behandlung von Christen in islamischen Ländern koppeln sollte. Es kann aber nun mal nicht sein, dass wir für etwas in die Verantwortung genommen werden, worauf wir keinen Einfluss haben.
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samsara
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von samsara »

Ein für mich ist ein wichtiger Punkt ist Achtung und Respekt vor "Andersdenkenden " und Toleranz, die Menschen das glauben zu lassen, was sie möchten. Man sollte auch in solchen Diskussionen / Dialogen den anderen stets so behandeln wie man selbst behandelt werden möchte.
Anisah

Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Anisah »

Die Frage ist ja auch, was man mit einem Dialog erreichen will. Verständnis für den anderen? Meine eigene Weltsicht hinterfragen? Speziell letzteres ist ja in der Regel angstbesetzt, zumindest kenne ich es so bei mir.

Und dann ist es ja auch eine Frage des Publikums. Auf Wahlveranstaltungen einer Partei kommen ja meistens auch nur die, die diese Partei ohnehin wählen.
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Musafira
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von Musafira »

Ich finde nicht, dass du interreligioesen Dialog mit der Wahlveranstaltung einer Partei vergleichen kannst. Das sind wirklich zwei voellig verschiedene Dinge. Guter Dialog ist ja auch meist schon von einer interreligioesen Gruppe organisiert und da werden von Anfang an gemeinsame Ziele erarbeitet. Motive gibt es verschiedene. Verstaendnis fuer andere und eigene Weltsicht erweitert ist fuer viele schon ein Motiv. Manche Gruppe haben eher den Weltfrieden oder Weltethos zum Ziel und da geht es v.a. auch darum Gemeinsamkeiten zu erarbeiten.
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Re: Interreligiöser Dialog und Interreligiöse Monologe

Beitrag von jalees »

Ji'un Ken hat geschrieben:Üben, Jalees, üben und immer wieder üben. Und sich informieren, was Dialog alles beinhaltet. Der Dialog ist eine Pflanze, die gehegt und gepflegt werden will.
@Ji'un Ken

Ich glaube, das dies natuerlich davon abhaengt, was man unter "Dialog" versteht. Ich benutze in dem HDB Artikel die Buber Definition des Dialogs, und so wie ich Bubers "Ich und Du" verstehe, kann gerade der Versuch, Dialog zu schaffen oder Dialog zu ueben, dazu fuehren, dass der Dialog gar nicht erst zustande kommt. Das ist ja die Grundaussage des Artikels:

http://www.hds.harvard.edu/news-events/ ... th-moments
Our attempts to create authentic interfaith dialogue may need to be reconsidered. Dialogue does not occur between faiths, as the expression "interfaith dialogue" implies, but occurs between individuals when the Ich encounters the Du. In the interfaith setting, it involves a dialogue between individuals who see each other as fellow travelers on a spiritual journey and who share their experiences, thoughts, or feelings. During formal interfaith events, we often search for ways to initiate dialogue and resort to performing roles, such as those of hosts and guests, or of representatives of our faiths. When planning formal interfaith events with the aim of fostering authentic dialogue, we have to realize that authentic dialogue occurs as grace during unpredictable moments, especially when we step out of our planned roles and stop actively trying to initiate dialogue. We cannot demand or expect authentic dialogue during interfaith events. What we can do is try to create opportunities for these transforming interfaith moments to occur.
Das heisst natuerlich nicht, dass man den Dialog nicht ueben sollte. Schliesslich gibt es viele Definitionen und Formen des Dialogs und fuer manche Formen des Dialogs kann das Ueben durchaus hilfreich sein. Ich glaube aber, dass im Buberschen Sinne, der Dialogpartner beim Ueben zum "Es" werden kann.
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