Wie finde ich die richtige Religion?

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Musafira
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Musafira »

sunflower hat geschrieben:Salam auch an Dich Princesa

nee, stimmt, dann habe ich das missverständlich ausgedrückt. Eher im kleinen Kreise, in Regionen oder unter bestimmten Menschen, wo ich mich aufgehalten habe. Das waren sehr einfache Leute, die einfach ohne viele Besitztümer ein sehr erfülltes Leben hatten, glücklich mit dem was sie hatten und immer dankbar für jede gesunde Minute. Das war sehr schön. Es ist eben hier zulande so, dass viele Menschen, diese einfachen Dinge kaum schätzen können, sich viel beschweren.
Also mich wuerde noch immer interessieren, wovon du redest.

Selbstverstaendlich kann man manche Familien finden, die ein dankbares, erfuelltes Leben haben, auch ohne viele Besitztuemer, und wo man auch merkt, dass die Religion sie erfuellt. Aber muss das auf den Islam beschraenkt bleiben? Das, was du beschreibst, kannst du vielleicht auch bei christlichen Familien in Ghana, hinduistischen Familien in Nepal oder buddhistischen Familien im laendlichen Thailand finden. :?
Manche Leute meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, dabei war es nur eine Buchstabensuppe.
sunflower

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von sunflower »

Nee ich war längere Zeit in einem Land, in Indonesien. ;)
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princesa
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von princesa »

Benar?
Sunflower buat apa di Indonesia???? Saya sudah dua kali ke Papua Barat.... tapi orang Papua bukan orang muslim ;)
Salam sayang, Princesa
sunflower

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von sunflower »

Oh bagus!!... Princesa bisa Bahasa Indonesia juga. Saya sudah dua kali ke Sumatera Barat (Padang). Orang Orang disana 97% orang muslim. :-) Ada yang banyak teman disana... Kenapa kamu sudah pergi dua kali ke Indonesia?! Buat apa? Kemarin saya training disana... Orang indonesia enak sekali, ya kan?

Und für die anderen. Es ist nur toll, wenn man Leute trifft, die auch indonesisch sprechen :dancing:

Princesa war auch schon mal dort, aber in einem nicht muslimischen Teil. In Indonesien ist es sehr interessant was die Religionen angeht (nimmt man mal Banda Aceh raus), ansonsten (zumindest, was ich gesehen habe), ist es relativ, ich betone relativ tolerant. Nehmen wir als Beispiel Westsumatra. Diese Region ist matrilinear strukturiert und gleichzeitig islamisch. Deswegen zählt sie zu eine der interessantesten Kulturen. Matrilinear heißt grob "Mutterfolge" - bezogen auf Erbrecht etc. Wenn dort in Westsumatra geheiratet wird, geht im Grunde alles so ziemlich von der Frau aus, sie sucht sich den Mann aus (teilweise auch die Familie der Tochter, je nachdem wie traditionell die Familie), der Mann zieht bei der Familie der Frau mit ein etc. Dem gegenüber steht die Rolle des Mannes im Islam. Dennoch harmonisieren beide Kulturbestandteile wunderbar miteinander. Vielleicht ein Grund, warum der Islam sich dort so angenehm angefühlt hat bzw. Vielleicht können wir bei Gelegenheit einen anderen Thread aufmachen, um das zu disktutieren ;) Ich finde es auch super spannend.
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princesa
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von princesa »

sunflower hat geschrieben:Und für die anderen. Es ist nur toll, wenn man Leute trifft, die auch indonesisch sprechen :dancing:
Jaaaa, sorry..... wollt niemanden ausschließen!
Aber indonesisch sprechende trifft man wirklich äußerst selten!!!

Ich hab lange evangelische Jugendarbeit gemacht und bin so zum ersten Mal nach Papua / Indonesien gekommen. Das zweite Mal war ich da studienbedingt. Das dritte Mal wäre meine Diss-Forschung gewesen, stattdessen hab ich aber geheiratet und nen Job gesucht :engel_lieb:

hab aber immer noch nette Kontakte nach Papua, hauptsächlich per sms... ich mag die papua, indonesier find ich oft mal anstrengend... die sind zwar superlieb und so, aber ich zumindest kann oft nicht interpretieren, was hinter der fassade ist
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Musafira
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Musafira »

OK - Indonesien - da kann ich dann noch eher nachvollziehen, was du meinst, obwohl ich noch nie in Indonesien war, aber z.B. auch Thai-Muslime finde ich von ihrem Verhalten her voellig anders als Muslime in den arabischen Laendern. Wobei grundsaetzlich nicht immer alles Gold ist, was glaenzt. :)

Dann geh doch vielleicht einfach mal zur Abschreckung z.B. nach Aegypten. ;) Damit jetzt keine Missverstaendnisse aufkommen: ich mag Aegypten, ich mag die arabische Welt insgesamt sehr. Aber eigentlich mag ich die arabische Welt erst so richtig, seit ich diesen "Islam-Anspruch" aufgegeben habe. Ich kann sie so nehmen, wie sie sind. Und da gibt es in der arabischen Welt vieles, was ich mag, was mich fasziniert und doch vieles, was mich extrem stoert, wie z.B. dass Religion extrem zur Schau getragen wird und immer mehr zur Maskerade wird, ohne dass gutes Verhalten dahinter deckt. Diejenigen im Suq, die am Froemmsten tun, sind meist die groessten Betrueger.

@ Princesa: das klingt aber auch super spannend! Aber ist Papua denn muslimisch? :confused: Ich dachte, dort lebt noch viel indigene Bevoelkerung.
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Hayat_Intisar »

Hi, hi, die paar Sätze in Indonesisch habe sogar ich verstanden, obwohl ich damals über das Anfänger-Stadium im Lernen nie hinaus kam. (schlicht und einfach Zeitmangel)
sunflower

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von sunflower »

Hihi... ja super! Dann willkommen im Club! Ich bin mittlerweile in dem Stadium, dass ich es leider schon wieder vergesse.
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princesa
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von princesa »

Musafira hat geschrieben:OK - Indonesien - da kann ich dann noch eher nachvollziehen, was du meinst, obwohl ich noch nie in Indonesien war, aber z.B. auch Thai-Muslime finde ich von ihrem Verhalten her voellig anders als Muslime in den arabischen Laendern. Wobei grundsaetzlich nicht immer alles Gold ist, was glaenzt. :)

Dann geh doch vielleicht einfach mal zur Abschreckung z.B. nach Aegypten. ;) Damit jetzt keine Missverstaendnisse aufkommen: ich mag Aegypten, ich mag die arabische Welt insgesamt sehr. Aber eigentlich mag ich die arabische Welt erst so richtig, seit ich diesen "Islam-Anspruch" aufgegeben habe. Ich kann sie so nehmen, wie sie sind. Und da gibt es in der arabischen Welt vieles, was ich mag, was mich fasziniert und doch vieles, was mich extrem stoert, wie z.B. dass Religion extrem zur Schau getragen wird und immer mehr zur Maskerade wird, ohne dass gutes Verhalten dahinter deckt. Diejenigen im Suq, die am Froemmsten tun, sind meist die groessten Betrueger.

@ Princesa: das klingt aber auch super spannend! Aber ist Papua denn muslimisch? :confused: Ich dachte, dort lebt noch viel indigene Bevoelkerung.

Die Papuabevölkerung sind mehrheitlich Christen, die Zugewanderten (Transmigrasi) Muslime... nicht immer ganz einfach, die Transmigrasi sind wirtschaftlich viel besser gestellt.
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maryamberlin
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von maryamberlin »

Die Frage, was denn eigentlich die richtige Religion ist, beschäftigt mich auch momentan (mal wieder, bzw. immer noch). Hier wurde ja oft kritisiert, dass einige Frauen in einem Überschwang (oft im Zusammenhang mit einem Mann) zum Islam konvertieren, ohne zu bedenken, ob sie sich in ihrer ursprünglichen Religion nicht ebenso wohl fühlen könnte, bzw. Gott nahe sein könnten.

Nun ist es bei mir ja so, dass ich keine "Ursprungs-Religion" in dem Sinne habe, meine Eltern sind beide aus der Kirche ausgetreten lange bevor ich geboren war und sind halt auch hundertprozentige Atheisten. Für mich persönlich war dann der eigentliche Durchbruch erstmal überhaupt zu erkennen, dass es einen Gott gibt. :love:

Da ich das für meine Kinder auch in irgendeiner ritualisierten Form zelebrieren wollte, war für mich das naheliegendste erstmal das Christentum, mit dem ich mich aber auch nicht hundertprozentig auseinandergesetzt habe, habe z.B. die Bibel nur auszugsweise gelesen. Meine Einstellung zu den verschiedenen Religionen war zu dem Zeitpunkt dann halt auch, dass es halt verschiedene Darreichungsformen für verschiedene Völker/ Menschengruppen gäbe. Ich habe das dann aber nicht wirklich weiterverfolgt.

Als ich aufgrund persönlicher Umstände in engeren Kontakt mit dem Islam in Kontakt kam und dann den Koran gelesen habe, war das damals für mich wie eine Offenbarung, da dort ja auch steht, dass dies eine Botschaft für alle Völker wäre, und dass es quasi die logische Fortsetzung vom Christentum wäre. Ich hatte dann einfach das Gefühl, dass es logisch wäre zu konvertieren, denn wenn ich anerkenne, das Mohammed ein Prophet Gottes und der Quran Gottes Offenbarung ist, dann bin ich ja schon Muslima. Alles andere, womit sich hier einige lange und gründlich beschäftigen, war für mich erstmal ziemlich nebensächlich. Die Gebete, wenn ich sie denn regelmäßig ausführe, geben mir in der Regel sehr viel und ich fühle mich auf die Art und Weise auch sehr Gott verbunden.

Aber fast alles andere, was Muslime hier oft als "den Islam" darbieten, erschließt sich mir so gut wie gar nicht. Sei es das Kopftuch, die Geschlechtertrennung, das Aufrechnen von Hasanat, das ständige Mashallah, allhamdulillah und sonstiges Zitieren von arabischen Floskeln, die Regeln bezüglich linker und rechter Hände und Füße... das finde ich so absurd, dass ich es gar nicht mir dem Gefühl in Verbindung bringen kann, was ich während eines guten (innigen) Gebetes wahrnehme.

Ich erlebe da also einen ziemlichen Widerspruch und der setzt sich in vielen Dingen fort. Beispielsweise finde ich die christlichen Feste einfach schön, da sie sich mit ihren Traditionen auch in die entsprechende Jahreszeit einfügen. Ramadan jedoch, dem ich schon auch einiges abgewinnen kann, finde ich gar nicht eingepasst in die Jahreszeit. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt, dass es schwierig ist, so lange zu fasten, sondern dass das ganze "Lichter in der Nacht anzünden" nicht wirklich bei mir greift, wenn die Nacht erst um 22 Uhr richtig dunkel ist und zudem auch noch eher warm ist..Das Opferfest ist mir noch fremder.

So ganz zurück zum Christentum kann ich aber doch nicht, da ich die dort enthaltenen Widersprüche schon auch als solche wahrnehme, und halt auch nicht an den Gott glaube, der sich in Form seines Sohnes erscheint und der durch den Tod dieses Sohnes die Sünden der Menschen vergibt (ich weiß, dass das jetzt arg abgekürzt ist).

Was ist nun also die richtige Religion für mich? Ursprung habe ich nicht. Eine geografische Zuordnung ist irgendwie auch blödsinnig, vor allem, wenn man auf die Ursprünge zurückgeht, beide Ursprungsländer sind ja doch ziemlich weit von Deutschland entfernt....

Ich hatte mich der zeitlichen Logik unterworfen, aber ist es eigentlich überhaupt so, dass Gott in den gleichen zeitlichen Dimensionen denkt wie wir? Ist für ihn Vergangenheit wirklich Vergangenheit oder kann es nicht genausogut zukünfitg sein? (Ich hoffe, hier hat mich noch nicht jede veroren, weiß nicht genau, wie ich es ausdrücken soll...)

Was hat es denn nun mit diesem "Siegel der Propheten" auf sich? Ich findem im sich manifestierten Islam so viel falsches, dass doch Gott wirklich sich die Mühe machen könnte, ein weiteres Update hinunterzu senden, oder nicht?

Und irgendwie suche ich ja auch nicht nur meine eigene kleine persönliche Wahrheit, sondern auch sowas wie eine Gemeinschaft von Menschen, die ähnlich denken, die Gott ähnlich sehen, mit denen man dann ensprechende Feste gemeinsam feiern könnte....

Bin im Moment wirklich sehr ratlos :nixweiss:: .
"Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten angewendet würde."
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Musafira
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Musafira »

Schoener Text, Maryam. Ich glaube, so geht es vielen. Sie sind zuerst gar nicht religioes, entweder schon aufgrund eines atheistischen backgrounds oder manche sind zwar getaufte Christen, hatten aber bisher keinen besonderen Bezug dazu - nicht einmal wegen irgendwelcher Widersprueche im Christentum, sondern schlichtweg, weil ihnen Religion nicht besonders wichtig war. Und dann kommt der Kontakt mit einem Mann, ein muslischer Mann, man kommt ploetzlich in Kontakt mit einer anderen Form von Religionsausuebung (regelmaessige Gebete, ueberhaupt mehr Bezug zur Religion im taeglichen Leben) und man beginnt, sich mit dieser Religion zu beschaeftigen. Und zuerst sieht auch alles ganz toll aus (und der Einfluss der Liebe ist nicht zu unterschaetzen ;) ). Aber man liest, dass es ja im Christentum so viele Widersprueche gaebe und ploetzlich erscheint einem das auch alles widerspruechlich (Trinitaet etc.) was einen vorher im Grunde gar nicht besonders gestoert hat. Mal ehrlich, ich glaube nicht, dass wirklich so viele vorher keine besonders praktizierenden Christen waren, nur weil die Trinitaet widerspruechlich ist?

Der Islam erscheint zunaechst sehr logisch: da gibt es nur einen Gott und nichts neben ihm und nichts zwischen ihm und dem Menschen. Muslime beten direkt zu Gott, haben taeglichen Kontakt mit Gott durch taegliche Gebete ... erscheint schon sehr verlockend ... das war es auch, was mich angezogen hat. Und dann noch der Koran als das angeblich unverfaelschte Wort Gottes, ganz im Gegensatz zur Bibel, die erst spaeter niedergeschrieben wurde und schon in sich verschiedene Versionen aufweist. Mir ging es dann auch so, dass der Islam mir als logische Fortsetzung des Christentums erschien, es ist keine voellig andere Religion, sondern eben einen Schritt weiter - wie ich es damals verstand.

Und dann kommt man so nach und nach mit dem real existierenden Islam in Kontakt und merkt mit der Zeit, dass vieles von dem, was einem am Anfang so klar erschien Augenwischerei ist. Da merkt man mit der Zeit dass es vieles gibt, was voellig unlogisch ist, es gibt Regeln zu allem, die nicht immer logisch sind und deren Logik man auch bloss nicht zu hinterfragen hat. Ueberhaupt dieses Punkte-System kann einem irgendwann in den Wahnsinn treiben, weil man nicht mehr nur noch Punkte jagen will und fragt sich irgendwann; wo bleibt der barmherzige Gott? Und leider ist auch das mit dem unverfaelschen Wort Gottes irgendwann nicht mehr so schoen, weil man merkt, dass sich eigentlich mindestens 60% des real exisiterenden Islam auf irgendwelche Hadithe bezieht und die Entstehung der Hadithe ist noch wesentlich fragwuerdiger als die Entstehung der Bibel.

Fuer mich ist die Konsequenz mittlerweile ebenfalls dass es die richtige Religion ohnehin nicht gibt. Religionen sind so etwas wie Hilfestellungen. Und jede Religion hat Vor- und Nachteile. Ueberall kann man Weisheit finden. Ich haette deshalb auch keine Lust mehr, mir eine andere Religion zu suchen. dass ich nun Muslima bi, in, ist fuer mich voellig OK. Trotz allem habe ich den Eindruck, dass ich im Islam so etwas wie inee spirituelle Heimat habe. Im Prinzip gibt mir ein islamisches Gebet immer noch mehr als ein christliches Gebet. Und auf der anderen Seite geht es mir genauso, ich fuehle mich mehr zu den chritlichen Festen hingezogen als zu den islamischen. Einfach, weil ich mit den Riten mehr anfangen kann. Christliche Feste habe ich einfach als "schoooen" erlebt. Uebrigens auch manche buddhistischen Feste. Oder Divali ist auch sehr schoen. Ich frage mich schon manchmal, warum ausgerechnet die islamischen Feste so "trocken" sind. :?

Ja, ich glaube letztendlich muss man zu seinem invidivuellen Glauben kommen und dazu braucht man nicht in eine bestimmte Religion konvertieren - meine Erkenntnis nach 20 Jahren 8)
Manche Leute meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben, dabei war es nur eine Buchstabensuppe.
sunflower

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von sunflower »

Toll Maryam, du hast genau auf den Punkt gebracht, was ich eigentlich versuche auszudrücken. Ich bin nur immer nicht so gut darin :knuddel: die richtigen Worte zu finden.
Letztlich geht es mir genau wie dir. Auch ich komme aus einer atheistischen Familie und hatte erstmals in den Jahren 18-21 das Gefühl, dass da noch etwas ist. Ich habe es zunächst Kraft genannt, die uns umgibt und den Weg leitet, mit den Worten Gott und Religion konnte und wollte vielleicht ich mich noch nicht auseinandersetzen.

Dann kam ich ja direkt mit dem Islam in Berührung und habe so viel darüber gesprochen wie ich lebe und was ich glaube und was Islam eigentlich bedeutet, dass ich schon das Gefühl hatte, eigentlich im Grunde lebe ich in vielen Punkten schon wie eine Muslima, so dass "mein bisheriger Glaube" und der Islam sich nicht ausschließen zu schienen.

Dann habe ich geforscht, was nun alle Religionen bedeuten in ihren Ursprüngen, bin auch in Kirchen gegangen, aber genau wie du kann ich absolut nix mit der Dreifaltigkeit anfangen, das ist einfach unlogisch und damit kann ich mich auch nicht identifizieren. (genauso wenig übrigens wie du auch mit dem alhamdulliah, insyallah).
Naja, auch die muslimischen Feste wie du sagst, kenne ich zwar aber bin ich jetzt auch nicht so gefühlsmäßig dabei, dass ich total dahinter stehen würde und sie feiern. Aber vielleicht geht es darum auch gar nicht.
Ich versuche jetzt zwischen Tradition und Religion bzw. Kultur zu unterscheiden. Auch der real exist. Islam hat viel mit gelebter Kultur, weniger mit der ursprünglichen Religion zu tun genau wie unsere traditionellen Feste (genau wie Weihnachten). Bei Weihnachten geht es mir vor allem dazu mit meiner atheistischen Familie zusammen zu sein, einmal im Jahr sich die Zeit zu nehmen, einfach viel zu reden, gut zu essen, dankbar zu sein, in sich zu gehen, Zeit zu haben darüber nachzudenken, was das nächste Jahr für die Familie bringen soll. Das ist aber Tradition, keiner von uns denkt dabei primär an die Kirche, auch wenn uns klar ist, dass es ein christliches Fest ist.
Und so ist es vielleicht auch einfach mit vielen Dingen in beiden Religionen. Im Ursprung geht es einfach darum, fühlt man sich mehr als Christin oder mehr als Muslima, (bezogen auf die Grundsätze, die Gebete, einfach vom Herzen her), das ist meine Devise. Im Herzen fühle ich mich ganz klar als Muslima, dennoch frage ich mich manchmal, muss ich deswegen konvertieren, manchmal ist meine Antwort ja, weil ich dann ganz klar zu meinem Gefühl und zu Gott stehe. Manchmal ist die Antwort auch nein, denn ich kann meinem Gott auch nah sein, ohne dafür vor Menschen ein Bekenntnis zu sprechen, denn vom Herzen her spürt Gott, dass ich zu ihm stehe. Daher ist das noch ein langer Weg glaube ich, herauszufinden, wie es weitergeht. Vielleicht geht es dir auch so Maryam.

Aber egal wie ich mich entscheide, ich würde immer nur das tun und ich glaube so ist es auch gemeint, was mich vom Herzen her überzeugt. Mich überzeugt der Ramadhan zum Beispiel vom Herzen her, aber das kann bei dir wieder anders sein und es ist deswegen nicht "schlimmer". Das ist eben dein Herz. Genauso überzeugt mich mein Herz aber davon, weiterhin mit meiner Familie Weihnachten zu feiern. :)

Ich würde mich also der ursprünglichen Religion zuwenden, nicht der gelebten Kulturausprägung der Religion. Man findet immer Gleichgesinnte. Zum Beispiel sind wir jetzt schon Zwei :bussi: und ich denke, es gibt sicher noch viele, denen es so geht. Ich lasse mich davon nur wenig beeindrucken, wie die Religionen gelebt werden, es ist eben deren Herzensweg und das muss man genauso hinnehmen, wie das Denken der Atheisten oder unserer. Ist eben so.

Darum stimme ich auch Musafira zu, es ist eben bei allen ein individueller Glaube. :love:
Anisah

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Anisah »

Das ist ein gaaanz schöner Thread :clapp:

Mir geht's ähnlich: ich bin Muslima, das ist fein. Aber Sunna-Muslima im engeren Sinn will ich nicht sein. Christin, so wie unsere Nachbarn es verstehen, auch nicht. Also suche ich mir meinen eigenen Weg - einen eher islamischen, aber letztlich gibt es das Göttliche sowieso nur einmal und wie wir uns ihm nähern ist echt nicht so wichtig, Hauptsache wir sind überhaupt unterwegs dahin.
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maryamberlin
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von maryamberlin »

Schön, dass euch alle gibt :knuddel: , komme mir schon weniger alleine vor :D .

Zumindest hier in der virtuellen Welt sehe ich ja (auch in anderen Threads, dass es einige von uns gibt, die sich mit ähnlichen GEdanken auseinander setzen). In der "realen" Welt kommt es mir aber anders vor.

Ich habe mich ja zum Beispiel nie überall als Muslima "geoutet", obwohl ich auch in Moscheen gegangen bin und ein paar muslimische Freundinnen und Bekannte auf diesem Wege gewonnen habe. Aber immer, wenn ich mir überlegt habe, "es" jetzt überall zu erzählen, habe ich mich gefragt, was ich denn da genau erzählen soll :nixweiss::
"Ich bin jetzt Muslima, aber ich glaube nur an ganz wenig von dem, was der "Mainstream-Islam" so propagiert." ? oder " Ich bin irgendwie noch Christin, aber ich glaube auch an den Quran"? Letztendlich erzähl ich dann immer gar nichts, da ich denke, dass das die meisten Leute auch gar nichts angeht, was da in meinem Inneren vorgeht. Aber so ganz wohl fühl ich mich damit dann auch wieder nicht, denn ich habe so halt noch mehr das Gefühl, dass mein Äußeres (damit mein ich jetzt nicht die KT-Frage) und mein Inneres nicht so ganz übereinstimmen.

Wenn ich einen muslimischen Partner hätte, würde ich wahrscheinlich auch sagen, "OK, da ist dann einer, der ganz überzeugt ist, und mit dem meisten (bzw. dem grundsätzlichen) kann ich mich ja auch überzeugen, also machen wir das einfach weiter.

Aber wie es steht, bin ich ja alleine mit den Kindern, und ich habe dann doch das Gefühl, dass ich mich irgendwie positionieren müsste. Eine äußerer Hülle würd mir persönlich da schon unheimlich helfen. (hab aber auch nicht so die tolle Familie, die mir da Halt gibt, wie es manche hier haben, also könnte das ganze auch damit zusammenhängen... :oops: )
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(Marie von Ebner-Eschenbach)
Anisah

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Anisah »

Ja, so geht es mir auch: es gibt eben keinen Rahmen, der mich hält. Das macht frei, aber auch orientierungslos. Ich bezweifle aber, dass es mir heutzutage noch einmal gelingen würde, mich irgendwo komplett zu integrieren.
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