Wie finde ich die richtige Religion?

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Rabia
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Rabia »

Salam alaikum, maryamberlin!
Vielleicht solltest du noch einmal ganz zurück an den Anfang gehen.
* Was ist bei der Frage nach der richtigen Religion tatsächlich wichtig? Ehrlichkeit. Sowohl gegenüber dir selber, als auch gegenüber Allah (swt)/Gott/dem höchsten Wesen.
* Was also glaubst du tatsächlich bzw. kannst du tatsächlich glauben? Gehe ganz tief in dich und frage dich das. Am besten notierst du dir die Antworten fein säuberlich.
* Glaubst du an Gott? Oder magst du nur das kulturelle Beiwerk der Religionen? Wenn du Gott bejahst, dann in welcher Form? Welche Seiner Offenbarungen kannst du aus ganzem Herzen glauben? Das ist wichtig, denn Er lehrt uns, dass Ihm Heuchelei verhasst ist.-
* Die grundlegende These/das Dogma des Christentums ist die Dreifaltigkeit. Wenn du sie akzeptieren kannst, bist du Christin. (Ich weiß, es gibt auch Christen, die sich nicht dazu bekennen, aber die Dreifaltigkeit ist Bestandteil des christlichen Glaubensbekenntnisses)
* Wenn du die Dreifaltigkeit nicht akzeptieren kannst, aber den Qur'an als von Gott gesandt akzeptieren kannst, dann solltest du dich dem Islam anschließen.
* Wenn du aber denkst, dass keines von beiden dich wirklich anspricht, du aber an Gott glaubst, dann suche entweder weiter => z.Bsp.: Bahai,
* akzeptiere dich selber als Monotheist und praktiziere aus den dir bekannten Religionen das, von dem du merkst, dass es dich Gott näher bringt.

Mein Tipp:
* Beschäftige dich mit den Grundlagen, also mit Qur'an, Bibel, etc.
* Schau nicht so viel nach den Menschen und dem, was sie tun. Weder im Guten, noch im Schlechten.......
* Es ist deine Religion, was heißt, dass es um dich und dein Verhältnis zu Gott geht!
Wasalam
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Juliette
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Juliette »

Wow, wirklich alles sehr schöne und mich berührende Beiträge.

Ich bin ja erst vor 2 Jahren konvertiert (und im Moment nicht wirklich praktizierend). Da kannte ich meinen Mann allerdings schon 12 Jahre und wir waren schon 8 Jahre verheiratet. Von daher schließe ich ihn als Hauptgrund erstmal aus.
Trotzdem kamen mir schon vor der Konvertierung und eben auch jetzt immer noch ähnliche Gedanken wie ihr sie hier beschreibt.
Vor meiner Konveriterung habe ich auch lange in einem anderen Forum gelesen und da kam dieser ganze "Klimbim" (Augenbrauen zupfen ja/nein, etc.) zur Sprache. Das hat mich dann auch sehr lange vom konvertieren abgehalten.
Bis ich mich dann auf das Wesentliche konzentriert habe, so wie es Rabia sehr schön beschrieben hat. Und da zieht es mein Herz dann doch zum Islam, es gibt einen Gott und ich habe eine direkte Verbindung zu ihm und stehe alleine ihm gegenüber in Verantwortung.
Allerdings, und das traue ich mich nur hier zu sagen, fällt es mir sogar manchmal schwer zu glauben, dass der Quran Gottes unverfälschtes Wort ist...wenn ich die eine oder andere Aya lese :stumm: :anglesad:
Ausserdem ist der Quran doch auch erst später aufgeschrieben worden und auch noch ohne die Vokalzeichen....
Viele Aya öffnen mir aber auch das Herz und dieses Forum hilft mir dabei verschiedene Blickwinkel zu finden. (Hoffe ich kann mir bald den Koran von Muhammad Asad leisten)

Auch das was ihr bezüglich der Weihnachten schreibt geht mir genauso (wobei z.B. Ostern bei mir gar keine Rolle spielt).
Seit ein paar Jahren hat Weihnachten seine familiäre Bedeutung bei mir verloren, da meine kleine Familie durch die Scheidung meiner Eltern eh nicht mehr existiert. Daher ist da eh schon was von Bedeutung weggebrochen, dennoch hat die Weihnachtszeit immer noch eine ganz besondere Atmosphäre (Kerzen, Plätzchenbacken und auch Besinnung) für mich, die ich auch nicht aufgeben möchte.
Und jetzt wo ich schwanger bin merke ich, dass ich diese Atmosphäre meinem Kind eigentlich auch ermöglichen möchte und finde da auch irgendwie, dass Plätzchenbacken und Kerzen zu "Ramadan im Sommer" irgendwie nicht richtig passt........denke aber auch, dass das eben einfach etwas tratitionelles ist, denn andere feiern Weihnachten ja z.B. auch im Sommer.....also warum sollte man diese Zeit nicht einfach weiterhin so gemütlich gestalten...(dürfen)?
...you cannot change what´s over but only where you go.
Pilgrim, it´s a long way to find out who you are....
Anisah

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Anisah »

Ach Rabia :love:

Ihr tut mir alle so gut, danke, dass es Euch gibt.
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princesa
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von princesa »

MashaAllah! Das ist alles so schön zu lesen... irgendwie merkt man dass die Beiträge richtig aus dem Herzen kommen!

Bei mir war alles etwas anders, ich war schon seit ich 15/16 bin von mir selbst aus gläubige Christin. Meine Eltern waren auch nicht besonders religiös oder so. Ich hab aber Jugendarbeit (evangelische) gemacht und mir mehr und mehr Gedanken um Gott gemacht. Und es gab einige Dinge mit denen ich mich überhaupt nicht identifizieren konnte (Dreifaltigkeit, Priester zwischen mir und Gott, dieser Pseude-Marienkult).

In meinem Studium hab ich dann auch vom Islam gehört und mich damit beschäftigt, das was ich da gehört habe, hat mir sehr gefallen, aber von heute aus gesehen, kann man unglaublich viel Wissen über eine Religion anhäufen, ohne dass es das Herz wirklich berührt.
Das und die Tatsache, dass ich keine muslimischen Freunde hatte und mich nicht wirklich in eine Moschee getraut habe, hat dann dazu geführt, dass ich mit 24 erst mal evangelisch wurde (war katholisch getauft). Da hab ich mich schon bischen wohler gefühlt, weil einige seltsame Dinge weg waren.

Und trotzdem hat mich der Islam nicht losgelassen. Ich hab mich von meinem damaligen Freund (Atheist) getrennt und war alleine mit meinen Gedanken. Ich hab wirklich viel gelesen und viel gelebt (viel feiern und so) und mich im Islam weiter zu Hause gefühlt. Hab auch Arabisch gelernt, und war in Palästina in der Zeit... aber der Zündfunke sprang einfach nicht über.

Ich hab damals von meinem Mann geträumt (inklusive seinem Namen), den ich da noch gar nicht kannte. Und irgendwie war es dann wohl Schicksal... einen Nichtmoslem hätte ich da nicht mehr heiraten wollen. Im Herzen hab ich wohl schon gewusst, wohin mein Weg führt.

Verheiratet bin ich nun 1 1/2 Jahre und mein Mann ist kein praktizierender Moslem (außer im Ramadan), obwohl er hofft, dass er das inshaAllah irgendwann ändern kann. Vom Islam ist er trotzdem grundsätzlich überzeugt.

Vor zwei Wochen oder so hab ich dann eingesehen, dass ich eigentlich längst Muslima bin. Ich bete jetzt seit einigen Monaten regelmäßig und halte mich auch an anderes. Trotzdem war es dieser eine Moment in dem ich zu Hause war und das Gefühl hatte, dass ich wenn ich Allah folge, einfach den richtigen Weg weitergehe, ich lehne nichts ab, ich verliere nichts. Und es ist nicht nur mein Glaube sondern meine Überzeugung: Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter. Und es fühlt sich sehr richtig und schön an, wie endlich angekommen zu sein.

Meinen Mann lässt das ganze im Übrigen relativ kalt... Religion war für uns beide immer eine Sache, die jeder mit seinem Schöpfer ausmachen muss. Unsere Hochzeit war daher kein Problem und auch seine Familie (alle in Marokko) haben mich sehr herzlich aufgenommen, obwohl ich Christin war. Und dass hätte ich nach ihnen und meinem Mann ruhig auch bleiben dürfen. Also kein Zwang im Glauben!

Bei mir war mein Mann daher weder Konvertierungsgrund, noch Grund mich mit dem Islam zu beschäftigen.

Für mich ganz persönlich bedeutet Islam Freiheit, da ich mich nur einem Herrn unterwerfe. Er ist es, der mich erschaffen hat, der mich leitet und begleitet und dem ich für meine Taten Rechenschaft ablegen werde. Und das macht mich frei von irdischen Herren. Und es tut mir gut mich 5 mal am Tag im Gebet genau an das zu erinnern.
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Rabia
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Rabia »

Salam alaikum, Juliette!
Allerdings, und das traue ich mich nur hier zu sagen, fällt es mir sogar manchmal schwer zu glauben, dass der Quran Gottes unverfälschtes Wort ist...wenn ich die eine oder andere Aya lese
Deswegen schlage ich immer allen Konvertiten meiner Umgebung vor, sich den Luxus mehrerer Qur'anübersetzungen zu leisten. Eine schlechte/überholte/nicht ansprechende Übersetzung ist meiner Ansicht nach schlecht für den Glauben.
Aber schau mal hier:
http://www.islamawakened.com/Quran/ (Jeder Vers des Qur'ans wird hier von über 20 unterschiedlichen Übersetzern präsentiert.
Und hier eine Wort-zu-Wort Übersetzung, die ich an manchen Stellen mehr als naja finde, aber sie eröffnet dir die Möglichkeit, die entsprechende Vokabel in einem Wörterbuch nachzuschlagen und dir außerdem in einem Brainstorming zu überlegen, welchen Touch dieses Wort sonst noch haben könnte.
http://www.studyquran.co.uk/Quran_Arabi ... lation.htm
Des weiteren ist es sehr nützlich nach den Offenbarungsursachen einzelner Verse zu forschen. Schließlich wurde der Qur'an zu einer ganz konkreten Gesellschaft gesandt, an deren Beispiel Allah (swt) uns Richtlinien für ein Ihm wohlgefälliges Leben übermittelt. Diese Richtlinien müssen wir uns meistens ableiten. Schließlich leben wir unter anderen Umständen zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort.-
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Dilara
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Dilara »

@Juliette: Ich mag die Weihnachtszeit auch sehr gerne, backe gerne Plätzchen, sitze mit Tee und Kerze mit netten Menschen zusammen... Da spricht für mich absolut nichts dagegen, ich war vor 2 Jahren auch mit meiner Mutter in der Kirche an Weihnachten, wir hatten damals auch einen Weihnachtsbaum und haben sogar Lieder gesungen (1 konservative Muslima, 1 Sufi, 1 Aleviten-Schamane und 1 Esoterikerin... :diva: )
“God has revealed to me
that there are no rules for worship.
Say whatever and however your loving tells you to.
Your sweet blasphemy is the truest devotion.”
Rumi, translated by Coleman Barks
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Rabia
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Rabia »

Salam alaikum, Juliette!
Außer, dass das, was Dilara geschrieben hat, natürlich grundsätzlich richtig ist, ist mir an deinem Beitrag erst mal das hier aufgefallen:
Ich bin ja erst vor 2 Jahren konvertiert
Du bist noch ganz neu Muslimah. Am Anfang meines Weges wusste ich auch oft nicht, was ich jetzt tun soll, wie ich ein paar Highlights in meinem Alltag unterbringen soll. Im Laufe der Jahre haben mein Mann und ich dann begonnen, mit anderen konvertierten Freunden gemeinsam Ramadan und die beiden Eid zu gestalten. Sozusagen um unsere Kinder herum, die nichts vermissen sollten und eine schöne Kindheit haben sollten. Heute haben wir ein festes Eid-Essen, so wie andere Familien jedes Jahr zu Weihnachten bestimmte Gerichte auf den Tisch bringen. Es gibt Geschenke und wir dekorieren mit frischen Blumen und mit meiner Stoffrosenlichterkette...... :D Und ich backe eine Prinz-Regenten-Torte.
Vielleicht nimmst du dir auch vor, mit deinem Mann gemeinsam zu den Feiertagen viele Familientraditionen zu entwickeln, die eurem Kind eine glückliche Kindheit und viel Geborgennheit garantieren?
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sunflower

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von sunflower »

Mein Tipp:
* Beschäftige dich mit den Grundlagen, also mit Qur'an, Bibel, etc.
* Schau nicht so viel nach den Menschen und dem, was sie tun. Weder im Guten, noch im Schlechten.......
* Es ist deine Religion, was heißt, dass es um dich und dein Verhältnis zu Gott geht!
Wasalam[/quote]


Ich muss sagen, du triffst es super auf den Punkt, genauso sehe ich das aus. Sich nicht beirren lassen, sondern einfach aufs Herz hören.
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Juliette
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Juliette »

Liebe Rabia,

vielen Dank für deine Links. :bussi:

Ja du hast recht, um die Kinder herum anfangen die islamischen Feste zu gestalten ist denke ich eine sehr gute Idee!!! So dass also für die Kinder das Gefühl, was ich mit der Weihnachtzeit verbinde, mit den islamischen Festen verbunden ist.
Daran habe ich auch schon gedacht und ich hoffe auch irgendwie, dass diese Feste so für mich auch nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen.
Schade nur dass Ramadan oder Eid leider nicht immer im Dezember sind.....das würde es für mich irgendwie erleichtern...

Leider kenne ich keine einzige Konvertierte persönlich. Wir sind auch irgendwie nicht in eine Ummah eingebunden. Wir leben ja in einer Kleinstadt. Mein Mann geht zwar oft in die Moschee und kennt dadurch auch einige Moslems, aber ich halte mich bzw. er hält mich da irgendwie raus. Ausserdem sind die alle so im Schnitt mind. 10 Jahre älter und haben schon (ältere) Kinder.
Naja, vielleicht lerne ich ja doch irgendwann mal noch jemanden kennen oder es entwickeln sich Bekanntschaften zu Muslimen....wenn nicht werden wir wohl erstmal alleine, als hoffentlich bald Kleinfamilie, die islamischen Feste feiern.

Und im Dezember Pätzchen backen und Kerzen anzünden und zur Oma oder Tante fahren kann ich ja trotzdem....
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maryamberlin
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von maryamberlin »

Salam Rabia und alle anderen,

vielen Dank erstmal für deine Ratschläge. Werde mal die nächste zeit nutzen, um ein bisschen mehr in mich zu gehen :) .
"Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten angewendet würde."
(Marie von Ebner-Eschenbach)
daphne

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von daphne »

hallo,
ich hoffe, mir ist keiner böse, wenn ich gerade zu n paar älteren threads was schreibe....
aber maryam und juliette, mich würde wirklich interessieren wie´s euch geht! seit ihr weiter gekommen?
ich bin an einem ähnlichen punkt und ihr sprecht mit alle so von der seele!!!


auch wenn ich bisher nciht so viel geschrieben habe, ich liebe dieses forum!!! :clapp:
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Kalanchoe
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Kalanchoe »

ja, was hier beschrieben wird ist mir auch nicht fremd..ich beschäftige mich momentan auch mit dem unitarismus, einer variante des christentums, das die trinitätslehe auch ablehnt. (wobei es mehrere "unterarten" von unitariern gibt-wikipedia fasst das ganz gut zusammen: http://de.wikipedia.org/wiki/Unitarismus)zudem lese ich im koran (der mich, gestehe ich, sehr fesselt) und werde mich auch mit den lehren Baha’u’llah s beschäftigen. ich schätze, ich werde es spüren, wenn ich angekommen bin.
ever tried?
ever failed? No matter..

Try again,
fail again fail better
(s. beckett)
daphne

Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von daphne »

Kalanchoe hat geschrieben:ja, was hier beschrieben wird ist mir auch nicht fremd..ich beschäftige mich momentan auch mit dem unitarismus, einer variante des christentums, das die trinitätslehe auch ablehnt. (wobei es mehrere "unterarten" von unitariern gibt-wikipedia fasst das ganz gut zusammen: http://de.wikipedia.org/wiki/Unitarismus)zudem lese ich im koran (der mich, gestehe ich, sehr fesselt) und werde mich auch mit den lehren Baha’u’llah s beschäftigen. ich schätze, ich werde es spüren, wenn ich angekommen bin.
dieses "spüren" ist für mich aber auch eine große frage. wieviel spürt man dann? wann ist es "DAS SPÜREN"? kann man das auch spüren, wenn man kopflastig ist? bzw. andersrum: ich kann mich emotional auch total in dinge reinstiegern und muss mich dann fragen, ob das meine richtigen gefühle sind oder eigentlich was anderes dahinter steht.

irgendwo habe ich gelesen man sollte nicht erwarten, dass gott einen sozusagen erleuchtet oder ein zeichen schickt oder so, das wäre nicht demütig genug, schließlich sind wir keine propheten. leider weiß ich überhaupt nicht mehr wo ich das her habe. es leuchtet mir teilweise aber schon ein.

und dann frage ich mich: wenn ich glaube, dass es nur einen gott gibt und an mohammed glaube, bin ich dann muslim??? :confused: oder muss dann eben noch irgendwas großartiges passieren?
Silvia
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Silvia »

Hallo, Daphne,
ich denke, wenn Du das glaubst, und Muslim sein WILLST, dann bist Du´s.

Ich stelle mir vor, daß es auch Leute geben kann, die an Mohammed als "einen" Propheten glauben,
aber nicht als "ihren" Propheten.

Oder Leute, die das zwar schon irgendwie glauben, aber auf die gesamte islamische Liturgie und die Ummah absolut keine Lust haben/darin für sich keinen Sinn sehen.

Das wären dann imo keine Muslime im engeren Sinne, höchstens im weiteren.
viele Grüße,
silvia
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Kalanchoe
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Re: Wie finde ich die richtige Religion?

Beitrag von Kalanchoe »

daphne hat geschrieben:
Kalanchoe hat geschrieben:ja, was hier beschrieben wird ist mir auch nicht fremd..ich beschäftige mich momentan auch mit dem unitarismus, einer variante des christentums, das die trinitätslehe auch ablehnt. (wobei es mehrere "unterarten" von unitariern gibt-wikipedia fasst das ganz gut zusammen: http://de.wikipedia.org/wiki/Unitarismus)zudem lese ich im koran (der mich, gestehe ich, sehr fesselt) und werde mich auch mit den lehren Baha’u’llah s beschäftigen. ich schätze, ich werde es spüren, wenn ich angekommen bin.
dieses "spüren" ist für mich aber auch eine große frage. wieviel spürt man dann? wann ist es "DAS SPÜREN"? kann man das auch spüren, wenn man kopflastig ist? bzw. andersrum: ich kann mich emotional auch total in dinge reinstiegern und muss mich dann fragen, ob das meine richtigen gefühle sind oder eigentlich was anderes dahinter steht.

irgendwo habe ich gelesen man sollte nicht erwarten, dass gott einen sozusagen erleuchtet oder ein zeichen schickt oder so, das wäre nicht demütig genug, schließlich sind wir keine propheten. leider weiß ich überhaupt nicht mehr wo ich das her habe. es leuchtet mir teilweise aber schon ein.

und dann frage ich mich: wenn ich glaube, dass es nur einen gott gibt und an mohammed glaube, bin ich dann muslim??? :confused: oder muss dann eben noch irgendwas großartiges passieren?
Naja, aber worauf soll ich mich sonst verlassen, als auf mein Gefühl?
Ich glaube ja, weil es sich so richtig anfühlt, nicht weil es so unglaublich logisch, schlüssig und sinnvoll kling.
Erst durch den Glauben bin ich ja willens, mich mit den Texten tiefer auseinander zu setzen und die Metaebenen mit einzubeziehen. So sind sie dann auch verständlicher und anwendbarer.

Ich bin einfach zu sehr Wissenschaftler, um z.b an die Schöpfungsgeschichte wortwörtlich zu glauben. Aber wenn ich an Allah glauben kann bin ich geneigt, das als Allegorie oder Metapher zu sehen und nicht einfach als Märchen.
Oder die Hölle. So wie sie in den heiligen Büchern steht-ne. Das ist wieder irgendwie eine menschliche Vorstellung, die gut ist, Leute ängstlich-gefügig zu machen. Außerdem ist das Bild der Hölle "abgekupfert" aber ich kann es trotzdem annehmen und mein leben nach der Moral ausrichten,(aber das könnte ich auch als Atheist)aber eher aus liebe denn aus angst. Könnte die Hölle auch als eine Art visualisierten Ratschlag sehen.


Daher.. ich war immer irgendwo agnostisch bis subtil glaubend, aber erst "mein Gefühl", dieses Gefühl von Wärme, Frieden, Liebe, angenommen werden beim lesen des Korans und beim beten, erst dies hat mich "glauben" lassen.

Jetzt stehe ich vor dem Hindernis, und muss irgendwie mit den Dogmen des Islams klarkommen/mich arrangieren, denn -da ich nun glaube und ich dieses Erlebnis weder beim lesen der Bibel, noch beim studieren der Veden oder von "Fliesen legen leicht gemacht" hatte, sondern beim Koran, wird Allah/Gott anscheinend irgendeine Intention gehabt haben. Sonst hätte es auch irgendeine Religion sein können. Pastafari oder was auch immer...

aber ich will mich nicht selbst verleugnen und ich bin nun mal liberal. Ich liebe einen Atheisten und werde ihn nicht verlassen, egal was andere Menschen vor mir für ihren Glauben machten. Ich werde nicht bei jeder Verliebtheit fremdgängig. (Es fühlt sich echt an, wie verliebt sein: Nun muss aber auf Beziehungsfähigkeit getestet werden. Schatz war bisher noch nicht auf Allah/Gott eifersüchtig^^)

Nun also diese ganzen Dinge(politischer Islam, Fatwas aus Absurdistan und deren unkritische Fans, teilweise sehr seltsame, manchmal reaktionäre Ummah, fieser Gott/Höllenzeugs, Hasanat-Punkte, Unwissenschaftlichkeit(die aber wortwörtlich gelebt wird), Mangel an Humor und Muslime mit Hang zur Rigidität und Vorschriften aus Stahl, Bigotterie, Heiligenverehrungs-ähnliche-Muhammadbegeisterung, Frauenfeinde und Mörder, die sich Muslime schimpfen etc)mit meinem Ich und dem was ich sonst so bin zusammenbringen und irgendwie damit klarkommen. Okay, die sind menschengemacht, aber ich leb halt in einer Menschengesellschaft..

Ich weiß nicht, ob der Islam die richtige Religion für mich ist. Ich weiß nur, dass ich Gott beim koranlesen gefunden habe. Und Salafis sind ja nicht der Koran, Sunniten auch nicht. Daher muss ich weder das eine, noch andere werden.
Klar wäre es nett, wenn alles leichter wäre.

Naja, ich muss immer noch damit klarkommen, dass ich an Allah glaube. (Das mag ja hier für viele selbstverständlich sein. für mich aber nun gar nicht. null, niente, nada. Mein weltbild ist flöten gegangen. Bild..)

Danach (nach der Religions-integrations-sache)sollte ich vermutlich lernen, den Leuten verbal auf die Finger zu hauen, die versuchen irgendwie religiös gesehen Anspruch auf mich zu erheben für "ihren" Allah..
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(s. beckett)
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